Nicolas Bernier/Simon Trottier
courant.air CD
(Ahornfelder AH19)

Eine thematische Klammer kann fesseln oder sie kann ungeahnte Kräfte freisetzen, weil die Spielwiese vorab definiert ist. Letzteres scheint mit courant.air passiert zu sein. Das Thema ist „Wind“. Gesetzt hat es sich der junge Elektroakustiker Nicolas Bernier, den ich irgendwo zwischen IRCAM und Apo33 einordnen würde in der Landschaft der französischen Kompositionsschulen (hui hui). Sein Klangmaterial bezieht Bernier größenteils aus dem Gitarrenspiel von Simon Trottier, dessen Folk-Idiome er zum Teil als kleine unbeschadete Pflänzlein am Wegesrand aufblühen lässt. Größtenteils kann die Gitarre aber nur erahnt werden. Es beginnt mit einem dichten, elektronischen Brausen und fügt sich zu verspielten konkreten Movements, eher die Platte im hinteren Teil sehr still und leise funktioniert. Wie als wäre etwas zerstäubt worden, wie als hätte der Wind alle möglichen Töne von den Saiten der Akustischen gestrichen, die nun wie eine verwahrloste aeolean harp in den Böen hängt. So läßt einen das Album aufgruind dieset antizyklischen Dynamik nachdenklich zurück; es bleiben süßeste Erinnerungen an die Farbenpracht und die Klangfülle. Seufz!
Zipo
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